ReactionLink entstand aus einer sehr konkreten Frage der Corona-Zeit: Wie können digitale und hybride Formate mehr sein als nur Übertragung? Wie schafft man echte Beteiligung, ohne dass sich das Publikum erst registrieren, etwas installieren oder in ein kompliziertes System einarbeiten muss?
Die Grundidee war bewusst einfach: Ein QR-Code verbindet Bühne, Stream oder Fernsehsendung direkt mit dem Smartphone des Publikums. Nach dem Scan öffnet sich eine mobile WebApp – ohne Download, ohne Installation und ohne lange Erklärung. Dort können Zuschauer:innen an Umfragen teilnehmen, reagieren, Fragen stellen, Wortwolken erzeugen oder auf andere einfache Weise Teil des Geschehens werden. Dieses Prinzip ist bis heute Kern des Produkts.
Meine Aufgabe bestand darin, ReactionLink zwischen 2019 und 2022 konzeptionell und produktseitig mit aufzubauen und sehr schnell von einer ersten Idee zu einem belastbaren professionellen Werkzeug weiterzuentwickeln.
Besonders spannend war, dass wir von Anfang an nicht nur das Publikum betrachten durften. ReactionLink musste genauso gut für die Menschen funktionieren, die Veranstaltungen vorbereiten und unter Live-Bedingungen steuern.
Deshalb entstanden mehrere klar getrennte Nutzungsebenen. Veranstalter konnten ihre Interaktionen über ein sehr einfaches No-Code-Interface selbst zusammenstellen – ohne spezielles technisches Vorwissen. Für Veranstaltungstechniker gab es eine reduzierte Ausgabe, mit der Ergebnisse und Reaktionen sauber auf Bühnen-, Stream- oder Studiomonitore gebracht werden konnten. Zusätzlich entwickelten wir Moderations- und Organisationsansichten, etwa um eingehende Fragen vorzusortieren und gezielt für Podiumsdiskussionen oder Live-Sendungen bereitzustellen.
Diese Einfachheit war das eigentliche Produktversprechen. Für das Publikum sollte die Teilnahme praktisch selbsterklärend sein, für Veranstalter der Aufbau ebenso. Hinter dieser Oberfläche musste das System trotzdem hohe Zugriffszahlen, unterschiedliche Veranstaltungsformen, kurzfristige Änderungen und echte Live-Situationen zuverlässig abbilden können.
Dass das Konzept funktionierte, zeigte sich schnell in sehr unterschiedlichen professionellen Einsatzfeldern: bei großen Kongressen deutscher Gewerkschaften wie der IG BCE, bei übertragenen Produktionen des Thalia Theaters in Hamburg und bei großen Fernsehformaten. ReactionLink selbst führt heute unter anderem stern TV als Referenz und zeigt dort genau diese direkte Einbindung des Publikums in das laufende Programm.
Für mich war ReactionLink vor allem ein klassisches 0-to-1-Produktprojekt: aus einer neuen Situation ein echtes Problem erkennen, die Lösung radikal vereinfachen, mehrere Nutzergruppen gleichzeitig mitdenken und das Ganze so schnell professionalisieren, dass daraus ein eigenständiges Produkt für reale Produktionsumgebungen wird.
Und vielleicht war der QR-Code am Ende die beste Metapher für das ganze Projekt: eine sehr kleine, einfache Schnittstelle – hinter der ziemlich viel Produktdenken steckt.